Kriminolyrik in sechs Akten

Veröffentlicht auf von Petruschka



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Es reimte einst Kommissar
Am Niederrhein zum Spass herum.
Er kam sich vor, als sei er dumm.
Dies jedoch wirklich nicht so war,
Denn während er so dichtete,
Sein Geist sich hell erlichtete.
Seither, o weh, er kann s nicht lassen,
Muss alles er in Reim verfassen…

Die Mitarbeiter, im Büro,
Verstehen weder wie, noch wo,
Er diesen Spleen sich hat geholt.
Das Team wirr auf dem Boden rollt,
Vor Lachen und vor Unverstand,
Denn der Bericht zum Tatbestand
Liest sich wie Schiller oder Goethe :

Der Räuber zieht die Flöte,
Die er gemein dem Wirt vorhält,
Der seelenruhig Kartoffeln schält.
"Mach bloss hier nicht auf Ringelnatz!"
Brüllt Räuber, "her jetzt mit dem Schatz!"
Die Wirtin kommt und will mal blasen;
Das bringt den Üblen fast zum Rasen.
"Kohle her", raunt fuchtelnd er,
"Weizenschorle, Schnaps und mehr!"
Und wie er sich so nach und nach,
Beschwippst, die Lunte ganz gemach
Unter Hemd und Hose stopft,
Ihm jemand auf die Schulter klopft.

Schon rasseln Schellen an den Händen
Der Bösewicht kann nicht entwenden
Was so gierig er verlangte;
Er murmelt kleinlaut : "Scheissbeamte!"

Wirt und Wirtin liegen sich
Lachend, seufzend, seliglich,
In den Armen.

Voll Erbarmen,
Sagt ein Priester noch zum Schluss :
"Es kommt stets, wie es kommen muss.
Gott, vergieb dem armen Lümmel
Und lass ihn später in den Himmel."

 

Veröffentlicht in ...nicht ganz dichte reime...

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